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Irgendwann am Abend treffe ich Karl.

Er hat Hunger , wie wir alle .

Wir wollen uns gerade ein Plätzchen suchen

an dem wir unsere karge Mahlzeit teilen können, als die Sirenen

uns gen Himmel blicken lassen.

Erschrecken gibt es schon lange nicht mehr in unseren Augen .

Zuviel ist in den letzten Jahren geschehen.

Zuviel haben diese Azgen gesehen.

In der Nähe ist ein Brunnen,

ohne große Überlegung klettern wir hinunter.

Wir kauern uns ganz fest an den Mauerrand.

Kalt ist es , und feucht.

Unsere maroden Kleiderfetzen halten die Kälte nicht mehr ab.

Unsere Haut spürt ohnehin nicht mehr was sie vor Beginn des

Krieges gefühlt hatte .

Die Gedanken gehen in die Heimat.

Träume von satten Feldern ,

von einem gedeckten Tisch, von freundlichen Gesichtern,

von einem lieblichen Augenpaar das über einem lächelnden Mund

zu mir aufschaut.

Der Lärm um uns herum ist grauenhaft.

Immer wieder Bombeneinschläge , Schrei von Menschen ,

Pferde die schreien wie Kleinkinder.

Wir rücken näher zusammen. Ein wenig Wärme erhaschend .

Der Himmel ist rot. Durch das kleine Loch schauen wir nach oben in einen

brennenden Himmel.

Angst haben wir nicht. Aber Hunger. Fürchterlichen Hunger.

Wir schlafen ein, für Minuten  oder waren es Stunden?

Als ich aufwache wecke ich Karl, der an meiner Seite im Schlaf wimmert.

Es scheint das es Morgen ist.

Der Lärmpegel hat nicht nachgelassen.

Der Hunger auch nicht.

Wir frieren nicht mehr so sehr.

Dafür schleicht sich ein schrecklicher Durst  in die Körper.

Karl schaut mich an , keine Worte erfassen das , was sein Blick mir erzählt.

Der Tag vergeht, die Nacht kommt.

Ich  habe keine Uhr mehr .

Die habe ich bei Stalingrad im Winter 42 gegen ein paar löchrige Schuhe getauscht.

Aber was ist schon Zeit.

alles und doch bedeutungslos.

Ein fürchterlicher Gestank mischt sich mit dem Dunkel.

Der Schlaf erweist sich als gnädig.

Er erlöst uns von unseren Nöten.

Diesmal ist es Karl der mich weckt.

Wir leben noch.

Flüsternd erzählen wir uns von unserm Leben davor.

Von der Zeit als es noch möglich war unbeschwert zu lachen,

als unsere größte Sorge war ob Liesschen Müller uns beachtet

Sonntags in der Messe.

Gott ist nicht hier. Wir sind es.

Ich kann die Sonne sehen.

Sie steht direkt über unserm Loch.

Es scheint es ist Mittag.

Keine Flieger mehr.

Lärm nur noch aus weiter Ferne .

Wir verlassen unseren Unterschlupf.

Unsere Nasen schnuppern etwas was an frische Luft

erinnert, wäre da nicht der beißende Gestank dazwischen.

Trotz der Kälte hat die Verwesung  eingesetzt.

Die Allee , die Strasse , das alles ist nicht mehr da .

Aus Pferdeleibern stechen kurze Baumstümpfe empor.

Überall wo wir hinschauen liegen Teile von Menschen.

Von Kindern und Frauen. Fetzen , und Blut.

Überall Blut.

Die Allee hat einen  Schutz versprochen ,

den sie den flüchtenden Menschen nicht bieten konnte.

Keiner wird sich darüber beschweren . Alle sind tot.

Tausende Leiber, nicht auszumachen ob Mensch oder Tier.

Karl übergibt sich.

Ich auch.

Wir müßen weiter.

Mutter ,

ich will nachhause. 

 

Dresden  im Frühling 1945 

 


 

 

 

 

26.10.07 12:11
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(26.10.07 12:22)
Bei den Angriffen wurde ein Stadtgebiet von etwa 15 Quadratki­lome­tern zerstört: rund 25.000 Häuser, unter anderem die Sem­peroper, der Zwinger und die Frauenkirche. Mehrere zehntausend Zivilisten ver­brannten im Feuersturm, starben durch Hitzschlag, Luftdruck, Brand­gase oder erstickten in Kellern. Im März beziffern SS und Polizei die Zahl der geborgenen Toten auf 20.204. Das Propagandaministerium spielt der Presse neutraler Länder über­triebene Schätzungen zu, die von der zehnfachen Zahl sprechen.


birgit / Website (26.10.07 12:28)
das nimmt mich mit. immer noch, und immer wieder.

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